COVID-19-Selbsthilfe-Tagebuch

Selbsthilfegruppe Alzheimer Klagenfurt

von Annemarie und Reinhard Lackner, Hannelore Pacher, SHG Alzheimer Klagenfurt

Wir, die Ansprechpersonen der Selbsthilfegruppe Alzheimer, gehören zur Gruppe 70+ und somit zur Risikogruppe. Wir halten uns deshalb an die Vorgaben und vermeiden persönliche Kontakte. Aber auch viele unserer GruppenteilnehmerInnen sind über 65 (ca. 60 %) und durch die oft notwendige „Rund-um-die-Uhr“ Betreuung eines betroffenen Familienmitgliedes physisch und psychisch äußerst belastet.

Was ist für unsere GruppenteilnehmerInnen besonders belastend?

  • Wird der Kranke zu Hause vom Angehörigen gepflegt, kommen zu der sowieso schwierigen Pflege und Betreuung zusätzliche Belastungen dazu. Die Pflegeperson ist mit dem Kranken zum Großteil alleine, die Besuche bleiben aus, vieles was dem Kranken eventuell Freude macht, ist im Moment nicht möglich - er kann nicht ins Tageszentrum, ein Kaffeehausbesuch ist unmöglich, Spaziergänge sind schwierig, Einkaufen und Friedhofsbesuche schwer zu schaffen - der Kranke wird sich kaum abhalten lassen, anderen Menschen nahe zu kommen. All dies trägt dazu bei, dass der Kranke aggressiv und die Betreuung und Pflege noch schwieriger wird.
  • Die Unterstützung durch mobile Einrichtungen beschränkt sich auf relativ kurze Zeiten, die meistens schon alleine mit der Körperpflege ausgefüllt sind.
  • Die 24-Stunden-Betreuungsagenturen haben zum Teil mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, dass Pflegerinnen einfach nach Hause gefahren sind, dass die Zeitspanne der Betreuung schon viel zu lange dauert; oder sie sich oft mit nur dem Einfachsten auseinandersetzen müssen z.B. die Pflegerinnen haben zu wenig Winterbekleidung mit. All dies schlägt sich natürlich auch in der Betreuung und somit auf das Befinden der Angehörigen nieder. Gute Agenturen sind ständig mit den jeweiligen Pflegeplätzen und ihrem Personal in Verbindung.
  • Pflegeheimbewohner: für die Angehörigen ist es ein großes Problem, dass sie die Kranken nicht mehr treffen können. Was ist wenn der Kranke stirbt? Können sie sich noch verabschieden? Geht es ihm wohl gut? Leidet er. Hier ist natürlich die telefonische Verbindung wichtig, einige Heime ermöglichen eine Video-Telefonie und auch Skypen ist schon möglich. Die zu pflegenden Personen werden ausgeglichener und die Angehörigen beruhigt. Von der SHG auch der Tipp: "Schreiben Sie dem Kranken eine lustige Karte, schicken sie ihm Fotos".

Zu all diesen Fragen und Schwierigkeiten haben Betroffene die Möglichkeit mit der Selbsthilfegruppe Kontakt aufzunehmen.

 

Was können wir als Selbsthilfegruppe für die Angehörigen von Alzheimererkrankten tun?

  • Ausführliche Telefongespräche: wir geben dem Angehörigen die Möglichkeit, sich auszusprechen, seine Ängste, seinen Kummer, seine Wut zu zeigen. Aber auch in dieser schwierigen Zeit ist er nach - nicht selten sehr, sehr langen - Telefongesprächen ruhiger. Er durfte sich einmal aussprechen.
  • Telefonkontakte mit Experten: Können wir selbst nicht weiterhelfen, weisen wir die Angehörigen auf unsere Gerontopsychologin, Mag. Christine Leyroutz, hin. Sie ist gerne für die Betroffenen da.
  • E-Mail-Rundlauf: wir geben ein- bis zweimal in der Woche ein E-Mail an unsere Besucher (70 % können so erreicht werden) und an unsere Netzwerkpartner. Das kann ein nettes Foto, ein Gedicht oder Informationen zur gegenwärtigen Situation enthalten. Die Reaktionen sind sehr oft äußerst berührend.
  • Wir werden unsere monatlichen Informationen weitergeben, diese aber auch per Post an Besucher ohne E-Mail-Adresse.
  • Homepage: wir haben unsere Homepage übersichtlicher gestaltet. Hier sind unter "Corona-Aktuelles" Tipps und Informationen zu finden, die vielleicht nicht täglich in der Zeitung stehen. Zu finden sind hier auch die Telefonnummern von unseren Unterstützern, die ihre Hilfe angeboten haben. Als besondere Empfehlung weisen wir auf das Buch "Brücken in die Welt der Demenz" Fercher/Sramek hin. Das Buch ist eines der besten zum Thema     Demenz. Die Buchhandlung Heyn hat es schon auf Lager gelegt, man kann es      dort bestellen, es wird direkt zugesendet und kein Porto verrechnet. Auch der Film "Zurück zu einem unbekannten Anfang" von Maria Hoppe und die Validations-Homepage ist für Angehörige eine große Unterstützung.
  • Wir sind mit den Heimen, 24-Stunden-Betreuungen, Tageszentren und Personenbetreuerinnen in Verbindung. Wir wollen wissen, wie es ihnen geht.
  • Medien kontaktieren uns und wir haben auch auf einen besonders harten Leserbrief reagiert.
  • Was natürlich auch nicht zu vergessen ist - wir schauen auf unsere Nachbarn, auch in unseren Wohnsiedlungen gibt es Demenzkranke. Ein Gespräch über den Zaun tut den Kranken gut.
  • Wir sind mit der SHG Alzheimer Villach und Möllbrücke im ständigen Austausch.
  • Was aber für uns selbst ganz wichtig ist, wir telefonieren miteinander mindestens einmal pro Tag, stärken uns gegenseitig, wenn wir einmal ein Tief haben und pflegen so unsere schöne Freundschaft, die durch unsere Tätigkeit in der SHG entstanden ist.

 

Annemarie und Reinhard Lackner, Hannelore Pacher
SHG Alzheimer Klagenfurt

 

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